Multiple-Choice-Prüfungen
Comments: 3 - Date: February 7th, 2009 - Categories: Scholastics
Heute durfte ich die ersten beiden Prüfungen meines Uni-Daseins lösen. Das Lustige dabei: Die Prüfungen wurden synchron durchgeführt – pro Prüfung hatte man eine Stunde Zeit, beide Prüfungen wurden jedoch zeitgleich ausgeteilt und man konnte sich die Zeit selbst einteilen. Einerseits praktisch, andererseits war es doch relativ viel Stoff, der ohne Pause abgefragt wurde. Das Mühsamste war jedoch die Form der Prüfungen: Multiple Choice. Zwar bequem (nichts zu schreiben), eigentlich aber nur blöd. Nicht nur, dass es vorkommen kann, dass man, obwohl man den kompletten Stoff des Gebiets, auf welches sich die Frage bezieht, kennt (vielleicht auch gerade weil man ihn kennt), nicht sagen kann, welches jetzt die richtige Antwort ist (weil je nach Interpretation), sondern auch weil das Denken absolut reduziert wird. Universitäts-Niveau, aber keine Möglichkeit zu differenzieren. Naja, dafür können die Prüfungen gescannt und automatisch ausgewertet werden. So etwas nennt sich dann wohl Fortschritt…
Comment by Marcus - March 12, 2009 @ 10:28 am
Warum wird denn bei Multiple Choice-Arbeiten das Denken reduziert?
Obwohl die Arbeit einem vielleicht leichter vorkommt, dank vorgegebener Ergebnisse, sollte man trotzdem bei jeder Aufgabe erst die Lösung überlegen, eh man sich die Lösungsvorschläge auf dem Blatt (oder sonstwo) ansieht. Denn oft ist es so, dass sich die Lösungsvorganben sehr ähneln und man verunsichert wird, was denn nun die richtige Lösung ist… Deswegen sollte man eben immer vorher genau überlegen, und dann erst die Antworten anschauen und mit der vorher ins Gedächtnis gerufenen Lösung vergleichen.
Marcus
Comment by rolandfehlmann - March 13, 2009 @ 12:11 am
Wissen besteht nicht primär darin, auf eine Frage eine korrekte Antwort zu geben – wobei die Betonung auf “eine” liegt. Die Kompetenz einer Person manifestiert sich doch vielmehr darin, wie eine Frage überhaupt erst angegangen wird. Bei entsprechendem Hintergrundwissen kann man auf die meisten Fragen verschiedene Antworten geben und entsprechend dafür argumentieren. Logisch gibt es Fragen, auf die nur eine Antwort korrekt ist. Auf Universitäts-Niveau würde ich von den Studierenden aber erwarten, dass sie in der Antwort auf eine Frage zeigen können, wie sie mit dem Thema umgehen und wäre daran interessiert, wie und warum sie auf ihre Lösung kommen. Das Ergebnis mag noch so abstrus sein, wenn es einen plausiblen Weg und eine überzeugende Argumentation dafür gibt – warum nicht? Damit man überhaupt eine solche Antwort geben kann, ist es nötig, die Grundlagen des Gebiets zu beherrschen und den Verstand einsetzen zu können, um einen entsprechenden Gedanken weiter zu spinnen. Bei MC-Prüfungen kann man noch so gute Konzepte haben, eine Frage anzugehen, zum Schluss bleibt bloss ein Kreuz zu setzen – jegliche Gedankengänge sind uninteressant. Was bringt es, wenn ein Student oder eine Studentin zwar die richtige Antwort geben kann, der Weg zu dieser aber falsch war? Und gerade wenn sich zwei Antworten ähnlich sind, gibt es oft Möglichkeiten, für beide zu argumentieren, zumindest wenn man die Konzepte kennt und weiterdenkt, statt bloss das Gelernte widerzugeben. Deshalb wird das Denken reduziert und es geht weniger darum, dass man ein Themengebiet beherrscht als um die Fähigkeit, die Gedankengänge des Fragestellers nachzuvollziehen und sich zu überlegen, was er sich bei einer Frage gedacht hat. Nicht unbedingt das, was ich von einer gebildeten Fachperson erwarte.
Comment by Mirko Stocker - March 13, 2009 @ 4:05 am
Aber Roland, wie soll denn der Praktikant das korrigieren, wenns nicht MC ist? …
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